Rundfunkbeitrag Aktuelles 09.02.2016

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Heute vor zehn Jahren wurde meine alte Webseite pc-gebuehr.de das erste Mal in der Onlinepresse (Spiegel Online) erwähnt.

Rückblickend kann ich heute sagen, dass sich irgendwie nichts und dann doch viel geändert hat. Die PC-Gebühr ist Geschichte, dafür gibt es heute den viel universelleren Rundfunkbeitrag, der sich nicht mehr an Rundfunkteilnehmern, sondern an Wohnungen, Betriebsstätten und Fahrzeugen orientiert und damit eine maximale Geldabschöpfung gewährleistet. Als Rechtfertigung tragen die Sendeanstalten das Mantra vor sich her, wie wichtig sie doch für die Demokratie wären. Bislang stellen sich auch noch keine Gerichte in den Weg. Für die Sender läuft es scheinbar gut.

Wenn man schon am rückblicken ist, kann man gleich noch weiter zurückschauen: Ich bin bei Recherchen zum Neujahrsbeitrag auf das Buch „Pädagogik der Massenkommunikation” (Leske Verlag, ISBN 3-8100-0551-7) aus dem Jahr 1985 gestoßen. Darin finden sich einige interessante Zahlen, die im Auftrag von ARD und ZDF erhoben wurden und aus der Zeit vor dem Internet und vor dem Privatfernsehen stammen. Als Träger von Nachrichten wurden 1974 über das Fernsehen 65%, über das Radio 59% und über die Tageszeitung %52 der Bevölkerung (West) erreicht. Im Jahr 1980 erreichte als Träger von Nachrichten das Fernsehen 66%, das Radio 63% und die Tageszeitung %54 der Bevölkerung.

Die Reichweiten der Fernsehnachrichten ist auch für 1980 aufgeschlüsselt: heute kommt auf 24%, Tagesschau auf 28%, das heute-journal auf 21% und die Tagesthemen auf 12%. Verglichen mit heutigen Zahlen hat sich die Reichweite der Tagesschau seit damals quasi halbiert.

Interessant sind aber einige Zitate aus der im Buch verwendeten verwendeten Studie Media Perspektiven 4/1981:

„9. Das Unterhaltungsangebot des Fernsehens würden fast drei von vier Bundesbürgern nicht stark vermissen.”

„11. Die Funktionsfähigkeit der drei tagesaktuellen Medien wird durch die Bundesbürger zunehmend kritisch beurteilt.”

„12. Der relativ starken und zunehmenden Bindung an die politisch aktuellen Informationsangebote der Medien steht eine relativ skeptische Beurteilung ihrer Funktionsfähigkeit im Bereich der politischen Information gegenüber. Vor allem die Tageszeitung, aber auch Hörfunk und Fernsehen haben in ihrer Funktion als Mittler politischer Informationen zwischen 1964 und 1980 erheblich Akzeptanz beim Bundesbürger verloren.”

„13. Objektivität und Wahrheitstreue der Berichterstattung attestieren 1980 dem Fernsehen vier von zehn, dem Hörfunk drei von zehn, der Tageszeitung zwei von zehn Bundesbürgern. Das Vertrauen der Rezipienten in die Berichterstattung der Medien ist nicht gerade ausgeprägt und es schwindet insbesondere bei den jüngeren Bundesbürgern.”

Also schon 1980 hatten 60% der Bundesbürger Zweifel an der Berichterstattung von ARD und ZDF.

„Wenn der praktische Zustand des elektronischen Journalismus sich so bedrohlich ausnimmt, scheint es an der Zeit, die Verfassungsrichter zu befragen, ob die Interpretation der Rundfunkgesetze durch die politischen Parteien noch als verfassungskonform bezeichnet werden kann.”

Dieses Zitat ist nicht aus der heutigen Zeit, auch nicht aus dem vorgestellten Buch von 1985, sondern ich habe es Seite 91 des Buches „Der manipulierte Zuschauer” (Verlag Herder KB Freiburg im Breisgau, ISBN 3-451-07522-9) aus dem Jahre 1975 entnommen. Das Zitat selbst stammt allerdings von Helmut Greulich aus „Mediendidaktische Modelle: Fernsehen” (Seite 169f) aus dem Jahr 1973. Helmut Greulich war Mitarbeiter beim ZDF und lieferte dem Autor in dem Buch einige Beispiele, wie Manipulation funktioniert.

Zusammenfassend kann ich also sagen: Die Sender waren offensichtlich schon in den 1970ern in einem erbärmlichen Zustand. Damals haben sie umgerechnet unter sieben Euro erhalten. Heute hat sich dieser Betrag mehr als verdoppelt, besser geworden sind die Sender augenscheinlich nicht.

Soweit zu dem, was sich nicht geändert hat.

Was sich geändert hat: Es regen sich nun viel mehr Menschen auf, da einfach untertauchen nun nicht mehr geht, lehnen Leute sich auch aktiv auf. Wenn 4,5 Millionen von 44,5 Millionen Beitragskonten im Mahnverfahren und letztlich sogar zwei Millionen Vollstreckungsersuchen laufen müssen (Tagesspiegel), kommt langsam eine kritische Masse zusammen, die irgendwann nicht mehr ignoriert werden kann. Die Versäumnisse, Unterlassungen und Falschberichterstattungen von ARD und ZDF tun da ein übriges, auch ehemalige Befürworter zu vergraulen.

Sorgen wir alle dafür, dass das nicht eine Modeerscheinung bleibt, so dass nicht in 30-40 Jahren wieder jemand aus der heutigen Zeit zitiert und feststellt, dass sich nichts geändert hat.

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